GuruShots – Das Farmville für Fotografen? – ein Erfahrungsbericht

Ok, ich habe es getan. Schon wieder! Ich habe ein neues Fotonetzwerk ausprobiert. In diesem Fall wurde mir die Seite GuruShots.com empfohlen und ich habe es ausprobiert. Hier möchte ich euch meine Erkenntnisse schildern.

Also, was genau ist GuruShots?


Die Seite bewirbt sich selbst als:

The world’s greatest game for photographers
Share your photos, track ranking,
improve skills & win awards.

Es geht also um’s Teilen von Fotos, soweit nichts Neues also. Die Fotos werden aber nicht einfach so geteilt, sondern man stellt sie im Rahmen von Challenges, also Wettbewerben ein. Davon gibt es immer mehre gleichzeitig, an denen man teilnehmen kann, oder auch nicht. Jede Challenge hat ein Thema, Regeln, einen Organisator (Guru), Preise (von Sponsoren) und eine Laufzeit. Man liest sich die Regeln durch und lädt geeignete Bilder (meistens sind 4 Bilder pro Teilnehmer erlaubt) hoch. So weit so einfach.

Anschließend wird für die Bilder gevotet. Das funktioniert so, dass jeder Teilnehmer, um seine eigene Sichtbarkeit (Exposure) zu erhöhen, gezwungen ist, andere Bilder zu bewerten. Man bekommt pro Voting-Runde eine zufällige Auswahl von Bildern angezeigt und wählt die aus, die einem gefallen. Und hier liegt der große Vorteil gegenüber anderen (mir bekannten) Plattformen. Das Voten funktioniert völlig unabhängig vom Uploader der Bilder. Man sieht nur das Bild, nicht das Profil dazu. Gleichzeitig werden die User animiert, täglich aktiv zu voten. Über den Algorithmus dahinter, kann GuruShots auch steuern, das später eingestiegene User häufiger angezeigt werden. Man hat also von Anfang an, auch ohne jeden Follower gute Chancen, mit guten Bildern recht schnell in der Hirarchie aufzusteigen.

Innerhalb jeder Challenge gibt es verschiedene Stufen, die es zu erklimmen gilt. Meist wird man ab 50 Votes zu „popular“ dann mit ca. 200 Votes zu „skilled“ usw. usf. hochgestuft. Innerhalb der jeweiligen Stufe sieht man dann immer seinen eigenen Rang. Ziel ist es natürlich, ganz nach oben zu kommen. Es gibt ein Ranking für den besten Fotografen (Summe der Votes aller Bilder), das beste Einzelfoto und einen „Guru Pick“, also den Favoriten des Organisators. Für jede erreichte Stufe kriegt man Punkte. Irgendwann gibt es dann auch „Awards“ für soundsoviel Punkte, erreichte Stufen, gewonnen Challenges usw.

Durch all das steigt man wiederum mit seinem Profil auf höhere Stufen auf. Man fängt als Newbie an, danach wird man Rookie und ganz am Ende natürlich Guru. Der ganze Prozess ist natürlich verbunden mit einer Unmenge an Notifications. Man bekommt Mitteilungen über erreichte Stufen, neue Votes, Likes und neue Wettbewerbe am laufenden Band. Sofern man die App für Smartphone nutzt, auch als Push Nachrichten. Das soll natürlich zum laufenden „Mitspielen“ verleiten. Insofern erinnert mich GuruShots massiv an diverse Onlinespiele, die vom User permanente Aktivität einfordern. Klar, das Prinzip appeliert noch stärker als andere Plattformen an den Gewinner in dir. DU WILLST JA DEINEN RANG ERHÖHEN.  Und dein Foto ist schließlich das Beste. Das MUSS klettern. Also noch schnell gevotet, um das Exposure Level noch ein wenig zu erhöhen… Daher auch der Farmville Vergleich in der Überschrift.

Zwischenfazit:

GuruShots macht etwas richtig, was ich bei anderen Plattformen vermisse. Man braucht keine Follower um Aufmerksamkeit zu kriegen. Das anonyme Voten ist ziemlich cool und garantiert (gute Bilder vorausgesetzt) Spaß von der ersten Minute. Es gibt zwar eine „soziale“ Komponente bei GuruShots, d.h. man kann anderen Profilen folgen, Bilder auch außerhalb der Wettbewerbe ins eigene Profil stellen, andere Bilder liken und die Aktivitäten der Profile sehen, denen man folgt, aber all das hat keine Auswirkungen auf den Erfolg in den Wettbewerben. Wer also gelangweilt ist, von den üblichen Plattformen, wo man ohne eine riesige Followerbasis nicht viel Feedback bekommt (von der Qualität des Feedbacks mal ganz abgesehen), könnte hier vielleicht besser aufgehoben sein.

Und jetzt kommt das Aber:

Natürlich gibt es neben neben dem enormen Aufmerksamkeitsbedürfnis der Plattform auch noch andere negative Punkte. Man will (muss) ja schließlich auch Geld verdienen. Und deshalb kann sich der User gewisse Erleichterungen erkaufen. Man kann z.B. „Autofills“ erwerben. Diese befreien einen von der Pflicht zu Voten, um gesehen zu werden. Oder man kauft sich „Keys“, um innerhalb einer Challenge ein bestimmtes Bild „boosten“ zu können. Dann bekommt dieses Bild mehr Aufmerksamkeit, wird also häufiger angezeigt. Und hier wird der eigentlich gute Votingmechanismus schon wieder ausgehölt. Bereits kurz nach Beginn der Votingphase schießen die Bewertung einiger User nach oben. Und das sind nicht unbedingt diejenigen, mit den besten Bildern. Spätestens jetzt ist der Vergleicht Farmville etc. wohl angebracht.

Fazit und TL;DR:

GuruShots kann Spaß machen. Man misst sich mit seinen Bildern in Wettbewerben mit Anderen und kann sogar Preise gewinnen. Das Votingsystem setzt keine Follower voraus und ist ziemlich gut gelungen. Die Plattform ist aber relativ zeitaufwändig und man wird ziemlich bald (sanft) genötigt, mit echtem Geld dem Erfolg nachzuhelfen.

Habt ihr selbst schon Erfahrungen damit gemacht? Dann würde mich eure Einschätzung natürlich auch interessieren! Wenn ihr GuruShots ausprobieren wollt und mir einen „Key“ und „Autofill“ zukommen lassen wollte, dann benutzt doch einfach meinen Invite Link! Ich brauche schließlich nur noch 23 Votes bis zum nächsten…. 😉

2 Kommentare zu “GuruShots – Das Farmville für Fotografen? – ein Erfahrungsbericht

  1. Klasse Nico, dass du deine Erfahrungen so ausführlich schilderst.

    Mir persönlich behagt ein solches Konzept (im Zusammenhang mit dem Teilen von Bildern etc.) nicht sehr, da es zu offensichtlich an unsere „niederen“ Instinkte appelliert, als da sind „Habgier“ (i.S. von Geld verdienen) und „Selbstdarstellung“ mit dem Wunsch, einen besonderen Status zu erreichen.

    Es ist ja inzwischen eine Tatsache, dass es nur noch sehr wenige Fotografen gibt, die von ihrer Arbeit wirklich auch (gut) leben können. Es sind auch die unüberschaubar vielen Hobbyfotografen, welche die Preise auf dem Bildermarkt kaputt machen, indem sie ihre Bilder für ’nen Appel und’n Ei auf den entsprechenden Plattformen anbieten. Es gibt Agenturen, die ihren Pool an freischaffenden Fotografen derartig unter Druck setzen, dass ganze Serien für Werbethemen mehr oder weniger kostenlos (!) hergestellt werden, um zukünftig überhaupt noch Aufträge zu bekommen!

    Das Bild als solches hat möglicherweise noch einen künstlerischen, aber keinen monetären Wert mehr. Es sei denn, man gehört zur Créme de la Créme der Fotografen, von denen es weltweit aber vielleicht noch 50 gibt … und da ist es vor allem der Name, der das Geld bringt.

    Bilder teilen aus Spaß an der Freude … wird immer einhergehen mit nettem Schnack und wenig gehaltvollem Feedback. „Lobe ich sein Bild, lobt er meins.“ so läuft das ja.

    Bilder teilen um des wirklich neutralen Feedbacks wegen wird auf die Dauer bei den meisten auf wenig Freude stoßen, zu sehr und zu häufig nimmt man die Kritik persönlich.

    Danke nochmal für deinen Bericht, ich finde ihn sehr interessant 🙂

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